Interview mit Ruth Krasny

Mittwochs-Interview

Interview mit Ruth Krasny

Interviewfragen an Ruth Krasny, Fachberaterin für holistische Ernährung, Raw food Chef & Instructor in Pastry Arts Unbaked bei www.rawsolution.de

Ruth, ich freue mich sehr, dass du dich bereit erklärt hast, dich meinen Interviewfragen zu stellen. Wir haben uns auf der Rohvolution® in Mülheim kennen gelernt und der Funke ist gleich übergesprungen. Umso mehr freue ich mich, dass du meiner RohKöstlich-Interview-Reihe beiwohnst. Stell dich doch mal bitte meinen Lesern kurz vor.

Danke, Nelly für die lieben Worte. Ja, es hat gefunkt, das kann ich bestätigen.

Ich bin 1972 in Österreich geboren, habe nach Schule und Studium lange im Ausland gearbeitet und bin dann vor ca. 14 Jahren in Deutschland gelandet. Hier habe ich vor ein paar Jahren die Ausbildung zum Fachberater für holistische Gesundheit absolviert, mich auf die Zubereitung veganer Rohkost spezialisiert und mich in den USA zum Rawfood Chef & Instructor und in Pastry Arts Unbaked ausbilden lassen. Seither habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und es erfüllt mich mit viel Glück und Freude.

Interview mit Ruth Krasny

Gesunde Ernährung ist für dich seit jeher ein wichtiges Thema. Wann und wie bist du zu dem Entschluss gekommen, die vegane Rohkosternährung in dein Leben zu integrieren?

Hmmm … das war weniger ein fester Entschluss, es war eher ein fließender Übergang. Ich habe unbewusst immer schon sehr Rohkost betont gegessen. Da ich aber von der bunten Vielfalt der Gourmet Rohkost sehr begeistert war, habe ich täglich zubereitet, Rezepte entwickelt und bin kreativ durchgebrannt dabei. Naja, irgendwer musste die leckeren Dinge ja auch essen; und so habe ich meinen Herd so gut wie nie mehr benutzt und auch nicht mehr benötigt. Irgendwann ist meine Küche aufgrund der neuen Geräte und Zutaten aus den Nähten geplatzt und so mussten alle Kochutensilien diesen weichen – also habe ich seither sowieso keine Möglichkeit mehr zu kochen. Und ganz ehrlich ich vermisse nichts. Ganz im Gegenteil, ich habe so viele neue leckere Dinge kennengelernt – eine Bereicherung, die ich nicht mehr missen möchte.

Glaubst du, dass eine 100-prozentige Rohkosternährung erstrebenswert und für jeden geeignet ist?

Erstrebenswert wäre ein hoher Anteil an Rohkost in der täglichen Ernährung grundsätzlich für jeden. Wie hoch der Anteil  liegt, ist individuell ganz unterschiedlich. Es sollte eine gesunde Ernährung sein, die für jeden anders aussehen kann. Jede Ernährungsform bietet die Möglichkeit, wenn sie wohlüberlegt praktiziert wird, gesund zu sein. Für mich persönlich ist es eben Rohkost. Man sollte sensibel auf seinen Körper hören und herausfinden was einem guttut, womit man die meiste Energie generiert und womit man sich persönlich wohlfühlt. Daher würde ich eine 100-prozentige Rohkosternährung nicht pauschalisieren.

Welche Veränderungen hast Du psychisch und physisch durch die Rohkost festgestellt?

Ganz ehrlich, so komisch es auch klingen mag – erstmal keine, da ich auch zuvor wie gesagt schon sehr auf der gesunden Seite war – ob in der Ernährungsweise oder in sportlicher Hinsicht. Ich hatte noch nie im Leben irgendein körperliches oder mentales Problem, geschweige denn war ich jemals krank. Im Nachgang merke ich lediglich, dass wenn ich mal etwas Gekochtes esse, ich mich nicht so wohl fühle und es mich in ein kleines Leistungstief zieht. Ich verliere durch den längeren Verdauungsvorgang Energie und diesen Zustand mag ich einfach nicht. Sonst ist alles wie vorher. Ich habe weder zu- noch abgenommen, fühle mich wie immer sehr energiegeladen und bin einfach ein glücklicher Mensch.

Was muss man aus deiner Sicht bei einer Umstellung auf Rohkost besonders beachten?

Auf jeden Fall erstmal entspannt bleiben. Nichts überstürzen und sich nicht selbst in eine Ecke drängen.

Viele Menschen, die ich kennenlerne, eifern irgendwelchen Rohkost-Heroes nach, kennen ihr eigenes Ziel nicht, informieren sich meist nur spärlich und tun einfach das, was andere sagen, ohne reflektiert zu überprüfen. Irgendwann kommt dann Frust auf, wenn es nicht so läuft wie erwartet. Eine Umstellung bedeutet Neuerung und Veränderung – und das braucht Zeit.

Man sollte Step by Step voranschreiten und langsam gesunde Dinge in sein Leben integrieren. Kleine Ziele setzen, vielleicht mal eine ungesunde Mahlzeit durch Rohkost ersetzen, oder einen Rohkosttag einlegen usw. Zu Beginn wäre es von Vorteil eher faserarme Rohkost zu sich zu nehmen, um den Verdauungsbeschwerden, die sich bei falscher Praxis bemerkbar machen, aus dem Weg zu gehen. Auch sollte man, aus lauter Freude über die bunte Vielfallt der Rohkostküche, nicht alles durcheinander essen. Die richtige Nahrungsmittelkombination finde ich sehr wichtig.

Was möchtest du Rohkost-Anfängern empfehlen?

Das WARUM und sein ZIEL kennen. Sich ausreichend INFORMIEREN und NICHTS ÜBERSTÜRZEN. Hat man sich vor der Umstellung eher suboptimal ernährt, KLEINE ZIELE setzen und mit FASERARMER Rohkost beginnen, um die Verdauung nicht zu überfordern und GUT KAUEN.  GRÜNE SMOOTHIES täglich integrieren. GRÜN sollte die Farbe der Wahl sein – Salate, grüne Blätter aller Art, Kräuter und Wildkräuter. Obst immer im REIFEN Zustand essen – das ist auch oft ein Fehler, dass unreife Früchte verzehrt werden und sich Verdauungsprobleme einstellen. Und ganz ehrlich, wenn man mal Lust auf irgendetwas anderes hat, dann sollt man es zulassen. Mit dem Wissen, dass man am nächsten Tag wieder seinen gewohnten, gesunden Speisenplan verfolgt, ist doch alles in Ordnung.

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Viele Menschen nehmen am Anfang einer Rohkostumstellung sehr stark ab und befürchten, dass sie nicht satt werden. Was würdest du ihnen empfehlen, um ihnen die Angst wegzunehmen, weiter Gewicht zu verlieren?

Satt werden wir in unserer Überflussgesellschaft definitiv immer. Wenn man jedoch die hochgezuckerten Lebensmittel gewöhnt ist, muss man sich erstmal langsam runterfahren und umgewöhnen.

Nach einem Rohkostessen fühlt man sich meist leicht und energiegeladen im Vergleich zu dem Völlegefühl der durchschnittlichen Nahrung. Dieses Gefühl und diese Schwere nach dem Essen ist uns vertraut, also fühlt es sich anfangs so an, als würde man nicht satt sein. Hinzu kommt die Abhängigkeit von überzuckerter Lebensmittel und künstlichen Zusatzstoffen, die dem Körper, ähnlich einer Droge, unbewusst fehlen und das Gefühl vermitteln, dass einem etwas fehlt und man nicht satt wird.

Zu Beginn der Umstellung können daher Avocados, Nüsse, Trockenfrüchte, reichhaltige Dressings, Cracker, Rohkostbrote usw. vermehrt integriert werden, um die gewünschte Sättigung zu erreichen. Chiasamen oder Leinsamen zum Beispiel eignen sich auch hervorragend, denn diese quellen sehr stark im Darm auf  und sorgen für eine nachhaltige Sättigung. Auch wenn man an Gewicht zulegen möchte, sollten Lebensmittel mit einer höheren Energiedichte bevorzugt werden wie gute Öle, Avocados, Bananen, Nüsse usw. Mit der Zeit stellt sich der Körper um und reguliert sich von alleine.

Du bildest in verschiedenen Einrichtungen Köche zum Thema „Zubereitung von Rohkost“ aus. Wie ist das Interesse sowohl von Seite der Küchenleitung als auch von den Gästen. Wie können sich meine Leser ein solches Training vorstellen?

Grundsätzlich wird diese Thematik immer gut angenommen, da gesunde Ernährung einfach immer präsenter wird. Dazu kommen Allergien, Intoleranzen, Unverträglichkeiten oder individuell bevorzugte Ernährungsformen, denen jede Küche früher oder später gerecht werden möchte oder muss. Das Interesse oder mehr die Neugierde der Köche ist natürlich riesig, da die Vorstellung, ohne Herd ein leckeres Gänge Menü zu zaubern, schwer ist. Wir arbeiten immer praktisch – Learning by Doing. Alleine schon Geräte wie Dehydratoren oder Hochleistungsmixer sind spannende Neuerungen in der herkömmlichen Küche. Neue unbekannte Zutaten sorgen immer für großes Staunen bei den Köchen genauso wie die Erkenntnis, nicht immer nur mit chemisch verarbeiteten Produkten sein Ziel zu erreichen. Die Gäste finden dieses Thema ebenso spannend und sind immer sehr begeistert und verwundert, was die vegane Rohkost zu bieten hat, und dass es sogar ein Gourmet Gänge Menü sein kann. Wir gehen in einem Training immer erst den Wochenplan durch und machen jeden Morgen eine Besprechung des Tagesablaufes. Ab dann wird gearbeitet und im laufenden Prozess die Theorie aufgearbeitet. Am Ende des Tages wird ein Plan für den nächsten Tag aufgestellt. Danach gibt es ein Briefing für das Servicepersonal und wenn alle Gäste eingetroffen sind, wird das Menü serviert.

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Möchtest du mit meinen Lesern ein Einsteigerezept teilen, das Lust auf Rohkost macht?

Ein ganz simpler Brokkolisalat – ist extrem einfach und sehr lecker.

Brokkoli in kleine Röschen teilen und mit etwas Zitronensaft, Tamari und Olivenöl marinieren. Mit den Händen die Marinade gut „einmassieren“ und den Brokkoli bei Raumtemperatur einige Stunden stehen lassen. Dadurch wird dieser weich und bekommt eine kochähnliche Struktur. Im Dehydrator kann bei 42 Grad der Prozess beschleunigt werden.

Karotten und rote Paprika (brunoise) würfeln – das bringt dem Salat Crunch

Rosinen – verleihen die ausgleichende Süße

Gojibeeren – sorgen für eine sexy Optik

Alle Zutaten vermengen und mit einem Dressing nach Wahl verfeinern.

ROSMARIN-ORANGEN DRESSING (als Variante)

½ c Cashews, ½ c Wasser, 1 Orange, 2-3 TL Apfelessig, 2 TL fein gehackter, frischer Rosmarin, 1 TL Olivenöl, ½ TL Himalaya Salz, 1 Prise Zimt, 1 Prise Schabziger Klee

Alle Zutaten im Blender cremig verarbeiten.

Welcher Traum möchtest du dir unbedingt erfüllen?

Ich bin kein Mensch der großen Träume, denn manchmal ist wenig schon sehr viel. Ich wünsche mir, dass meine Familie und Freunde glücklich und gesund bleiben.

Du gibst Zubereitungskurse in der Nähe von Köln, du hast ein Rezeptbuch geschrieben. Wie sehen deine weiteren Projekte aus? Zurück nach Österreich?

Ja, so ungefähr in diese Richtung. Auf jeden Fall in die Nähe der Berge, da ich die Natur, die gute Luft dort, die Kletterfelsen, den Schnee und die sportliche Vielfalt liebe. Es könnte ein ganzheitliches Projekt mit Seminarhaus mit Zubereitungskursen, Rohkost Dinner, Catering … entstehen. Die Berge bieten Möglichkeiten für Wanderungen, Kräuterkunde und ein naturnahes ganzheitliches Erlebnis – so würde sich das Konzept abrunden. Ich bin ein großer Freigeist, inhaltlich sehr flexibel und daher nicht sehr verbissen. Ich strebe nicht so starr nach Zielen, jedoch kenne ich die Richtung.  Meist ergeben sich die besten Projekte spontan. Ja, ich lasse mich gerne treiben und finde das Passende für mich oder das Passende findet mich.

Vervollständige bitte diese Sätze:

Rohkost ist für mich … die Basis jeder Ernährungsform

Für Rohkost (würde ich gerne) Tag und Nacht in der Küche stehen und kreativ durchknallen

Außer Ernährung … ist Sport für mich unabdingbar.

Hast du ein persönliches Motto?

Around here i don’t look backwards for very long…I keep moving forward, opening up new doors and doing new things because I‘m curious…and curiosity keeps leading me down new path. Walt Disney – (Hier schaue ich nicht lange zurück. Ich laufe vorwärts, öffne neue Türen und tue neue Dinge, weil ich neugierig bin … und die Neugier hält mich auf den neuen Weg)

… and when nothing goes right – go left 🙂

Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir noch viel Erfolg bei deinem Vorhaben. Vielleicht ergibt sich in Zukunft ein gemeinsames Projekt.

Danke liebe Nelly für das Interview. Gemeinsame Projekte sind immer eine schöne, bereichernde Sache für alle Seiten und ich denke wir finden einen guten Weg.

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