Interview mit Lisa von Rohtopia

Mittwochs-Interview

Interview mit Lisa von Rohtopia

Diese Woche führt mich mein Interview mit Lisa von Rohtopia nach Kanada, wo sie die Webseite Rohtopia, eine zweisprachige Plattform für holistisches Lifestyle Design betreibt und dort frische Rezepte auf Pflanzenbasis, natürliche DIY Beauty & Körperpflege, öko-freundliche Ideen für chemie-freies Wohnen und geführte Meditationen zur Persönlichkeitsentfaltung bietet.

 

Lisa 445Lisa, du bist Österreicherin, wohnst aber seit ein paar Jahren in Kanada. Stell dich doch mal bitte meinen Lesern vor.

Hallo liebe Nelly! Ich bin ursprünglich aus Wien, lebe aber momentan teils in Kanada. Teils, weil ich normalerweise 2-3 Wintermonate am Meer verbringe um Freitauchen (Tauchen mit einem Atemzug) zu trainieren und außerdem für Workshops und Familienbesuch auch etwas Zeit in Europa verbringe.

Was hat dich dazu bewegt, auszuwandern?

Zumindest eine Zeit lang im Ausland zu leben war schon lange ein Traum für mich. Als sich 2007 beruflich die Möglichkeit bot, nach Australien zu gehen, habe ich nicht lange gezögert. Im Hinterkopf dachte ich immer, wenn es nichts ist, gehst Du eben wieder nach Wien. Mit dieser Einstellung traut man sich gleich mehr. Nach 4 Jahren in Australien wollte ich dann sehen, ob ich aus meinen Leidenschaften, der Rohkost, dem Freitauchen und ausserdem Yoga, auch einen Beruf machen könnte und habe gekündigt. Ich bin nach Thailand gezogen und habe dort die Ausbildung zum Freitauchlehrer gemacht. Dann bekam mein Partner ein Angebot in Kanada und ich zog mit ihm mit.

Ernährst du dich überwiegend von veganer Rohkost? Wenn ja, seit wann?

Früher bezeichnete ich mich gern als Beilagenesserin – plus Dessert. Fleisch stand nie oben auf meiner Liste. Dass es für “Salat und Früchte essen” eine Bezeichnung gibt, wusste ich damals gar nicht. 2008 machte ich aufgrund von Allergien und Ausschlägen eine 35 Tage Saftkur – erfolgreich, seitdem gab es nie wieder Probleme – und ernährte mich danach monatelang 100% roh vegan. Mittlerweile esse ich auch wieder Gekochtes. Es ist ganz interessant. Wenn es mir gut geht, werde ich schlampig und esse weniger “gut”. Dann geht es mir nach einiger Zeit natürlich nicht mehr so gut – die Haut ist weniger strahlend, die Nägel weniger stark, die Energie lässt nach – woraufhin ich automatisch wieder mehr Rohkost esse. Ich habe mit den Jahren gelernt, dass ich mir alles erlauben muss damit ich die richtige Wahl treffe – sobald ich mich einschränke, sehe ich nur noch alles was ich mir gerade nicht erlauben möchte. Sobald ich alles erlaube, ist es mir egal. Kurios, nicht wahr?

Ist deiner Meinung nach eine 100-prozentige Rohkosternährung erstrebenswert?

Wenn es einem gut tut, gerne. Wie bei allem 100%igen gibt es meiner Meinung nach dabei allerdings die Gefahr, sehr dogmatisch zu werden, und nichts anderes zulassen. Das halte ich für ungesünder als nicht 100% roh zu essen.

Welche Veränderungen hast Du psychisch und physisch durch die Rohkost festgestellt?

Der erste Effekt war, dass meine Hautausschläge, die davor mit Kortison-Steroiden unterdrückt wurden, nicht mehr kamen. Meine Haut wird von Rohkost strahlend schön, die Haare wachsen schneller, meine Energie ist unglaublich und meine Regeneration nach Sport rasant – ein Jahr nach der Saftkur bin ich einen Marathon gelaufen und hatte am nächsten Tag nur einen Muskelkater.
Psychisch – ich schwöre auf grüne Säfte und grüne Smoothies als Anti-Depressiva! Eine Portion grüne Energie hebt die Laune wie sonst wohl nur Verschreibpflichtiges!
Zu guter Letzt merke ich bei Rohkost Süssigkeiten dass mir ein paar wenige Stücke reichen, anstatt ein ganzer Riegel Schokolade oder eine Packung Kekse – und ich will auch nicht 10 Minuten später gleich das nächste Stück. Das soll was heißen, ich war immer eine ausgesprochene Naschkatze – heute gibt es Tage, da lässt mich Schokolade sogar komplette kalt!

Hattest du bei der Umstellung Entgiftungserscheinungen? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen?

Da ich mit dem Saft-Fasten anfing, hatte ich danach keinerlei Probleme. Zu Beginn der Saftkur hatte ich auch ein paar Colon-Hydro-Termine und machte vor allem in der ersten Woche der Kur zu Hause Einläufe um meinen Körper beim Loslassen zu unterstützen.
Krass waren die Gelüste während der Saftkur. Die kamen teilweise im 5 Sekundentakt und gingen quer durch die Speisekarte – Semmelknödel waren besonders oft dabei. Ich schrieb mir alles auf und sagte mir, das kannst Du nach der Kur alles essen, läuft nichts davon. Das war ein beruhigendes Gefühl (lacht).

Welche Fehler werden aus deiner Sicht bei einer Rohkostumstellung oft gemacht?

Zuviel Nüsse und Trockenfrüchte, und zuwenig Grünzeug zu konsumieren. Alles durcheinander zu essen, dann Bauchweh zu haben und zu sagen, Rohkost sei Schuld.

Welche Mangelerscheinungen können bei einer 100-prozentigen Rohkosternährung auftreten?

Wenn die Ernährung einseitig ist, werden früher oder später immer Mangelerscheinungen auftreten, egal ob roh oder nicht. Bei Rohkost und veganer Ernährung heisst es oft, Proteine, Eisen oder B12 seien nicht in ausreichenden Mengen vorhanden. Nach vielen Recherchen im Internet habe ich folgende Aussagen entdeckt, die für mich plausibel klingen:

Eiweissmangel: dieser Glaube basiert auf der Annahme, dass Eiweiss nur in Tierprodukten enthalten ist. Das ist nicht korrekt – Spirulina hat mehr Eiweiss per 100g als ein Steak und kann vom menschlichen Körper besser verarbeitet werden. Nüsse und Samen sind ebenfalls reich an Protein oder, besser gesagt, Aminosäuren, denn darum geht es in Wirklichkeit. Interessanterweise nehmen laut den Ergebnissen verschiedener Studien auch Vegetarier im Schnitt mehr Eiweiß auf als notwendig wäre.

Eisen: Es stimmt zwar, dass Menschen die sich vegan oder vegetarisch ernähren, oft niedrigere Eisen-Werte als Alles-Esser haben, von Mangel kann man aber nicht öfter sprechen als auch bei Alles-Essern. Ja, auch Alles-Esser können Eisenmangel haben, und zwar aufgrund von schlechter Absorbierung der Nährstoffe im Darm. Wer sich wegen starker Monatsblutungen sorgt, dabei zuviel Eisen zu verlieren (tatsächlich der zweite Hauptgrund), dem kann ich empfehlen, Rohkost dennoch vor allem in den Tagen vor der Regel auszuprobieren da die Blutung üblicherweise viel leichter und auch schmerzfreier ist je besser man sich ernährt.
Ein zuviel an Eisen ist im Übrigen gar nicht vorteilhaft da es Diabetes und Krebs fördern kann.
Eisen findet sich in Pflanzen z.B. in Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Hafer, Hirse, Amaranth, Quinoa und dunklem Blattgemüse, und wird vom Körper am besten in Kombination mit Vitamin C absorbiert – z.B. als Orangen- oder Zitronensaft im Salat-Dressing.

B12: B12 ist der einzige Nährstoff, den relativ viele Rohköstler und Veganer in Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen. Ein Vitamin-B12-Mangel entsteht in der Regel erst nach Jahren ungenügender Zufuhr oder Aufnahme des Vitamins – wer also mit Rohkost anfängt, nach einem halben Jahr einen Bluttest macht und b12 Mangel hat, der war höchstwahrscheinlich schon davor nahe am Mangel dran. Darum empfehle ich allen, die bei Rohkost Bedenken haben, oder sich einfach vorsorglich Gedanken machen, gleich zu Beginn einen Bluttest machen zu lassen. Nur so kann man wissen, wo man wirklich beginnt und vermeidet dadurch, vorschnell falsche Schlüsse zu ziehen.

Neben vegetarischer Ernährung zählen übrigens auch Alkoholismus (in welchem Ausmaß auch immer), das Alter und – mal wieder – chronische Erkrankungen des Verdauungstraktes wie Morbus Crohn, Zöliakie zu Risikofaktoren für B12-Mangel, sowie chirurgische Darmentfernung. Ausserdem benötigt der Körper zur Freisetzung von Vitamin B12 aus der Nahrung Magensäure. Wenn diese nicht ausreichend vorhanden ist, oder ihre Produktion durch Medikamente – z.B. Anti-Histaminika – gehemmt wurde, wird das B12 nicht absorbiert.
Aus diesem Grund gibt es B12 auch als Pflaster, Injektion und sublinguale Tropfen.

Was möchtest du Rohkost-Anfängern empfehlen?

Iss was Dir schmeckt. Zwinge Dich nicht z.B. zu Bananen nur weil das gerade Trend ist und andere damit erfolgreich scheinen. Zähle Nährstoffe statt Kalorien. Anstatt etwas zwanghaft wegzulassen, füge lieber erstmal Gutes hinzu. Dein Körper wird es Dir danken und nach und nach mehr davon wollen – und Du fühlst Dich niemals im Mangel, wie es bei “Diäten” üblich ist.

Hast du ein Rohkostlieblingsrezept? Wenn ja, welches?

Oh, vor dieser Frage fürchte ich mich immer! (lacht)
Mit den Jahren hat sich mein Geschmack auch geändert – Kaki mochte ich früher nie, mittlerweile liebe ich die Dinger.

Ein Rezept, das aber schon lange mit mir unterwegs ist, ist Chia Pudding, in verschiedenster Form.
1 Tasse frische Nussmilch
2 EL Kakao
2 Datteln oder 1.5 EL Kokosblütennektar oder Ahornsirup oder Stevia nach Geschmack
1 Prise Vanille
3 EL Chiasamen – ich gebe sie immer nach Gefühl hinzu

Nussmilch mit Kakao, Süssmittel und Vanille mixen.
Chiasamen einrühren.
20-30 Minuten quellen lassen.
Noch einmal umrühren.
Fertig.

Der Chia Pudding ist gekühlt 3 Tage haltbar.

Vervollständige bitte diese Sätze:

Rohkost ist für mich Freiheit
Für Rohkost würde ich gerne neben Nelly’s BistRoh wohnen
Außer Ernährung gehören für mich zum ganzheitlichen Wohlfühlen auch noch Bewegung, natürliche Pflege, persönliche Weiterentwicklung und ein generell entspannter Lebensstil.

Hast du ein persönliches Motto?

Du kannst das.

Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir noch viel Erfolg bei deinem Vorhaben, den Menschen zum ganzheitlichen Wohlbefinden zu führen.

Liebe Nelly, vielen herzlichen Dank, dass ich hier sein durfte.

Lisa von Rohtopia

 

Share:

2 comments on “Interview mit Lisa von Rohtopia

  1. Liebe Nelly, es war mir eine ausgesprochene Freude mich mit Dir zu unterhalten! Vielen herzlichen Dank nochmal 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *